Yom haScho’a

Ich bin in einer Tradition grossgeworden, die der Überzeugung ist, das der Tod eines einzigen Kindes die Schöpfung verunstaltet. Niemand kann mir jemals weismachen, dass es möglich ist, eine Million jüdischer Kinder umzubringen und dabei ungestraft davonzukommen. Niemand kann mich je davon überzeugen, dass man ohne Bestrafung solche Zerstörung in so viele Familien hineinbringen kann. Ich glaube, dass mit der Welt etwas geschehen ist, als man schliesslich sah, was uns angetan wurde.  Aber solche Verbrechen liegen vielleicht jenseits jeglicher Strafe …

Die einzige Stafe, die einem solchen Verbrechen angemessen wäre, wäre das Ende der Welt, und das will ich nicht. Keiner von uns will das. Darum vergessen wir all das Geschehene nicht: Weil wir nicht wollen, dass die Welt bestraft wird. Dies ist ein erlösendes Element, das sich durch unsere ganze Erinnerung zieht. Wir wollen die ganze Welt retten, nicht nur die jüdische Welt.

(Auszüge aus einer Rede von Elie Wiesel anlässlich einer Konferenz über den Holocaust, Remembering for the Future, im Juli 1988)

Der heutige Holocaust-Gedenktag Yom haScho’a ist ein israelischer Nationalfeiertag und Gedenktag für die Opfer der Shoa. Die Menschen in Israel gedenken der Millionen Opfer des Holocaust. Nach jüdischer Tradition beginnt der Tag mit Sonnenuntergang am 27. Nisan des jüdischen Kalenders und endet am folgenden Abend. Während des Gedenktages kommt es in Israel zu verschiedenen Veranstaltungen. Beispielsweise heulen um 10 Uhr Ortszeit im ganzen Land die Sirenen. Während des Tages sind sehr viele öffentliche Einrichtungen in Israel geschlossen, im Fernsehen und Radio laufen keine Unterhaltungssendungen, sondern Trauermusik oder Dokumentationen zum Holocaust. Alle Fahnen wehen auf Halbmast. Bei Gedenkveranstaltungen wird das Gebet El male rachamim, auf deutsch „Gott voller Erbarmen“, vorgetragen.

Shema_LG
Aaron Morgan – The Mound Series

Kaddish

Erhoben und geheiligt, sein großer Name, in der Welt die er erneuern wird.
Er belebt die Toten, und führt sie empor zu ewigem Leben,
Er erbaut die Stadt Jiruschalajim
und errichtet seinen Tempel auf ihren Höhen,
Er tilgt die Götzendienerei von der Erde
und bringt den Dienst des Himmels wieder an seine Stelle,
und regieren wird der Heilige, gelobt sei er, in seinem Reiche und in seiner Herrlichkeit,
in eurem Leben und in euren Tagen
und im Leben des ganzen Hauses Israel
schnell und in naher Zeit,
und sprechet: Amejn
Sein großer Name sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!
Es sei gelobt und verherrlicht
und erhoben und gefeiert
und hocherhoben und erhöht
und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,
jede Verherrlichung und jedes Trostwort,
welche jemals in der Welt gesprochen,
Und sprechet: Amejn
Es sei der Name des EWIGEN gelobt, von nun an bis in Ewigkeit!
Es sei Fülle des Friedens vom Himmel herab,
und Leben,
über uns und über ganz Israel,
Und sprechet. Amejn!
Meine Hilfe kommt vom EWIGEN, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.
Der Frieden schafft in seinen Höhen, er schaffe Frieden unter uns und über ganz Israel,
Und sprechet. Amejn

Quelle: talmud.de