Schalom Ben-Chorin (hebräisch שלום בן-חורין, * 20. Juli 1913 in München; † 7. Mai 1999 in Jerusalem; gebürtig Fritz Rosenthal) war Journalist und Religionswissenschaftler. Ben-Chorin setzte sich vor allem für den christlich-jüdischen Dialog, die Überwindung des christlichen Antisemitismus und für die Möglichkeit einer Theologie nach Auschwitz ein. Sein Name bedeutet übersetzt Frieden, Sohn der Freiheit.
Sowohl das Gefühl der Schuld wie das des Staunens aber können nicht ein dauerndes Fundament für das Gespräch abgeben. Eine jüngere Generation befreit sich mehr und mehr von dem Schuldkomplex, aus dem das Gespräch anhob, und verliert das Staunen über ein wiedererstandenes Israel, das oft als problematisch empfunden wird. Dauernd kann für das Gespräch nur das Bewusstsein sein, das Judentum und Christentum existentiell aufeinander hin befragt sind und einander daher Rede und Anwort zu stehen haben. Diese Feststellung muss dahin eingeschränkt werden, dass eigentlich nicht Judentum und Christentum in den Dialog eintreten können, sondern nur Juden und Christen. Einzelpersonen, die allerdings in ihrer Individualität etwas vom kollektiven Bewusstsein mit in das Gespräch hineinbringen. Das bedeutet Gespräch von Existenz zu Existenz, nicht von Dogma zu Dogma. Die Existenz muss in ihrer Gebrochenheit zur Kenntnis genommen werden. Niemand darf in das Gespräch mehr hineinbringen, als er selbst verkraften kann. Das bedeutet einen Verzicht auf ein komplettes Judentum und ein komplettes Christentum.
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Die Juden müssen erkennen, dass Christen nicht mit den Gojim (Heiden) identisch sind, und die Christen müssen erkennen, dass das Judentum nicht ein Stück Archäologie, ein Kapitel antiker Geschichte und Religionsgeschichte darstellt, sondern eine heutige Realität.
Shalom Ben-Chorin in – Ein Leben für den Dialog , Gütersloher Verlagshaus