Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster, hat vor einer Verharmlosung des Holocaust durch radikale politische Kräfte gewarnt.
19.01.2025
Bei einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz warnte Schuster in Frankfurt am Main auch ausdrücklich vor der AfD. Der Blick auf Auschwitz dürfe sich im Kern nicht ändern. Andernfalls würde die Bundesrepublik ihrer Gründungsidee und historischen Verantwortung nicht gerecht.
Auch Bundeskanzler Scholz sprach sich in Frankfurt ebenfalls für ein aktives Gedenken an den Holocaust aus.
Diese Nachricht wurde am 19.01.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
“Flowering meadow with butterflies” by Dorit Weiserová (1932-1944). Copyright: The Jewish Museum in Prague
Der Widerstand gegen die Entmenschlichung durch die Nazis nahm viele Formen an. Die Geschichte von Friedl Dicker-Brandeis veranschaulicht dies deutlich. Dorit Weiserová war eines von 15.000 jüdischen Kindern, die von den Nazis im Ghettolager Theresienstadt inhaftiert wurden. Die Nazis sperrten in Theresienstadt auch ältere Menschen, Kriegsveteranen, prominente jüdische Künstler, Schriftsteller, Komponisten, Musiker und Akademiker ein. Dorit wurde von der am Bauhaus ausgebildeten jüdischen Künstlerin und Pädagogin Friedl Dicker-Brandeis unterrichtet, die Kunstmaterialien mitbrachte, als sie nach Theresienstadt deportiert wurde. Dicker-Brandeis widersetzte sich zusammen mit anderen erwachsenen Insassen mutig der Absicht der Nazis, die Kinder zu entmenschlichen. Durch den Geheimunterricht wurden die Kinder an ihre Fähigkeit erinnert, etwas zu erschaffen und sich etwas vorzustellen. In einer zunehmend dunklen und gefährlichen Welt wurde den Kindern Hoffnung gegeben. Tragischerweise überlebten die meisten Kinder den Holocaust nicht. Dorit wurde in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Auch Dicker-Brandeis überlebte nicht. In einem letzten Akt des Trotzes vor seiner Deportation versteckte Dicker-Brandeis einen Großteil der Kunstwerke, die die Kinder geschaffen hatten. Dadurch überlebten Tausende von Zeichnungen und Gemälden den Krieg. Sie bleiben lebendige Zeugnisse von Mut und Widerstand gegen die Entmenschlichung.
15 führende Vertreter der SS, der NSDAP sowie der Ministerialbürokratie kommen am Mittag des 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin zusammen. Eingeladen hat Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, zu einer Besprechung mit anschließendem Frühstück. In der etwa 90 Minuten dauernden Besprechung wird der millionenfache Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas geplant und organisiert.
„Wenn ich jetzt versagte, wenn ich die Achseln zuckte und diesen einen Menschen sterben ließ, den ich vielleicht retten konnte, nur weil ich die persönliche Gefahr fürchtete, die damit verbunden war, dann machte ich den Fehler, den das ganze deutsche Volk gemacht hat… Es sind nicht gar so viele, die all die Scheußlichkeiten angeordnet und ausgeführt haben. Aber es sind doch unendlich viele, die sie geschehen ließen, weil sie nicht den Mut hatten, sie zu hindern…“
(aus der Zeugenaussage von Dr. Ella Lingens, einer „Gerechten unter den Völkern“, die Gefangene in Auschwitz war)
Am 27. Januar 1945 drangen sowjetische Truppen ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein, das letzte dieser Lager, das noch in Betrieb war. Sie fanden 7000 Überlebende vor. Weitere 50.000 Insassen waren einige Tage vorher vom Lagerpersonal auf einen Fußmarsch geschickt worden, um zu verhindern, dass sie den Alliierten in die Hände fielen. Die meisten von ihnen fanden noch vor Ende des Krieges den Tod. Auschwitz, wo über eine Million Menschen – die meisten von ihnen Juden – ermordet wurden, ist zu einem Symbol für den Holocaust und für das Böse als solches geworden, und mit Recht. Für das jüdische Volk ist es der größte jüdische Friedhof der Welt – ein Friedhof ohne Gräber.
Und doch, sogar inmitten des Grauens, das Auschwitz war, gab es Lichtschimmer. Trotz der totalen Entmenschlichung, die Teil des Lagersystems war, gab es bemerkenswerte Akte der Solidarität und der Menschlichkeit von Lagerinsassen. Unter ihnen waren Nichtjuden, die sich unter Lebensgefahr bemühten, Schmerzen zu lindern, Hilfe zu leisten und Juden zu retten. Sie bewiesen, dass man sich selbst inmitten der Brutalität und des Mordens dazu entschliessen konnte, nicht gleichgültig zu bleiben. Diese Menschen gehören zu den mehr als 24.000 Nichtjuden, die bis 2012 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt wurden. Einer Weisung des israelischen Parlaments folgend, ehrt Yad Vashem seit 1963 diese nicht jüdischen Menschen, die während des Holocaust unter Lebensgefahr Juden das Leben retteten, ohne dabei finanzielle oder andere Interessen zu verfolgen.
In „Lichtschimmer“stellen wir ihnen sechs solcher Geschichten vor.
„Und daher sollten wir diese guten Menschen kennenlernen, die während des Holocaust Juden geholfen haben. Wir sollten von ihnen lernen und ihrer in Dankbarkeit und Hoffnung gedenken.“
Ruth Shternheld wurde an Pessach 1939 geboren. Sie war die Tochter von Hella Friedlander und Izidor Shternheld. In 1942 wurde sie in Treblinka ermordet. Sie war erst drei Jahre alt. Die Fotografie ist alles, was uns vom kurzen tragischen Leben der kleinen Ruth geblieben ist. Eineinhalb Millionen Kinder wurden während des Holocaust umgebracht. Ihre Namen, Identitäten und Leben wurden vollständig ausgelöscht. Eineinhalb Millionen Kinder, viele davon ermordet – wie Ruth – ohne eine Spur zu hinterlassen. Seit mehr als 60 Jahren hat Yad Vashem unermüdlich daran gearbeitet, dass die Männer, Frauen und Kinder, die Opfer des Holocaust wurden, nicht in Vergessenheit geraten und hat ihre Namen und Geschichten gesammelt. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung und unser stetiges Bestreben, die Identität der sechs Millionen in der Shoah ermordeten Juden wiederherzustellen. Heute ist der Holocaust-Gedenktag.
Beviat hamashiach ani ma’amin
Beviat hamashiach, ma’amin
Beviat hamashiach ani ma’amin
Beviat hamashiach, ma’amin
Veaf al pi sheyitmahmeha
Im kol zeh, achake loh
Veaf al pi sheyitmahmeha
Im kol zeh, achake loh
Im kol zeh, im kol zeh, achake loh
Achake bechol yom sheyavoh
Im kol zeh, im kol zeh, achake loh
Achake bechol yom sheyavoh
(sof)
Ani ma’amin
ICH GLAUBE
Ich glaube, ich glaube
mit unzerstörbarem Glauben,
an das Kommen des Maschiach.
Ich glaube, ich glaube
mit unzerstörbarem Glauben,
an das Kommen des Maschiach.
Und auch wenn er sich verspätet,
so warte ich dennoch auf ihn
Und auch wenn er sich verspätet,
so warte ich dennoch auf ihn
jeden Tag, dass er kommt
«Devant le Martyr Juif Inconnuincline ton respectta piété pour tous les martyrs, chemine en pensée avec euxle long de leur voie douloureuse, elle te conduira au plus haut sommetde justice et de vérité.»
«Vor dem unbekannten jüdischen Märtyrer zeige deinen Respekt, dein Mitleid für alle unsere Märtyrer, begleite sie in Gedanken auf ihrem langen Leidensweg, der dich führen wird auf den höchsten Gipfel der Gerechtigkeit und Wahrheit.»
by Justin Godart (November 26, 1871 – December 12, 1956) was a French politician who served as the Minister for Health from June 3, 1932 to December 18, 1932.
Ich bin in einer Tradition grossgeworden, die der Überzeugung ist, das der Tod eines einzigen Kindes die Schöpfung verunstaltet. Niemand kann mir jemals weismachen, dass es möglich ist, eine Million jüdischer Kinder umzubringen und dabei ungestraft davonzukommen. Niemand kann mich je davon überzeugen, dass man ohne Bestrafung solche Zerstörung in so viele Familien hineinbringen kann. Ich glaube, dass mit der Welt etwas geschehen ist, als man schliesslich sah, was uns angetan wurde. Aber solche Verbrechen liegen vielleicht jenseits jeglicher Strafe …
Die einzige Stafe, die einem solchen Verbrechen angemessen wäre, wäre das Ende der Welt, und das will ich nicht. Keiner von uns will das. Darum vergessen wir all das Geschehene nicht: Weil wir nicht wollen, dass die Welt bestraft wird. Dies ist ein erlösendes Element, das sich durch unsere ganze Erinnerung zieht. Wir wollen die ganze Welt retten, nicht nur die jüdische Welt.
(Auszüge aus einer Rede von Elie Wiesel anlässlich einer Konferenz über den Holocaust, Remembering for the Future, im Juli 1988)
Der heutige Holocaust-Gedenktag Yom haScho’a ist ein israelischer Nationalfeiertag und Gedenktag für die Opfer der Shoa. Die Menschen in Israel gedenken der Millionen Opfer des Holocaust. Nach jüdischer Tradition beginnt der Tag mit Sonnenuntergang am 27. Nisan des jüdischen Kalenders und endet am folgenden Abend. Während des Gedenktages kommt es in Israel zu verschiedenen Veranstaltungen. Beispielsweise heulen um 10 Uhr Ortszeit im ganzen Land die Sirenen. Während des Tages sind sehr viele öffentliche Einrichtungen in Israel geschlossen, im Fernsehen und Radio laufen keine Unterhaltungssendungen, sondern Trauermusik oder Dokumentationen zum Holocaust. Alle Fahnen wehen auf Halbmast. Bei Gedenkveranstaltungen wird das Gebet El male rachamim, auf deutsch „Gott voller Erbarmen“, vorgetragen.
Aaron Morgan – The Mound Series
Kaddish
Erhoben und geheiligt, sein großer Name, in der Welt die er erneuern wird.
Er belebt die Toten, und führt sie empor zu ewigem Leben,
Er erbaut die Stadt Jiruschalajim
und errichtet seinen Tempel auf ihren Höhen,
Er tilgt die Götzendienerei von der Erde
und bringt den Dienst des Himmels wieder an seine Stelle,
und regieren wird der Heilige, gelobt sei er, in seinem Reiche und in seiner Herrlichkeit,
in eurem Leben und in euren Tagen
und im Leben des ganzen Hauses Israel
schnell und in naher Zeit,
und sprechet: Amejn
Sein großer Name sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!
Es sei gelobt und verherrlicht
und erhoben und gefeiert
und hocherhoben und erhöht
und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,
jede Verherrlichung und jedes Trostwort,
welche jemals in der Welt gesprochen,
Und sprechet: Amejn
Es sei der Name des EWIGEN gelobt, von nun an bis in Ewigkeit!
Es sei Fülle des Friedens vom Himmel herab,
und Leben,
über uns und über ganz Israel,
Und sprechet. Amejn!
Meine Hilfe kommt vom EWIGEN, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.
Der Frieden schafft in seinen Höhen, er schaffe Frieden unter uns und über ganz Israel,
Und sprechet. Amejn