«The Well» von den Klezmatics & Chava Alberstein
In letzter Zeit hörte ich mir mehrmals eine bestimmte CD an. Die Musik hatte ich mir schon vor einem halben Jahrzehnt besorgt, dann ging sie etwas vergessen, um dann im letzten Herbst wieder meine volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es ist das Album «The Well» von den Klezmatics und der israelischen Sängerin Chava Alberstein. Es fasst eine Sammlung von jiddischen Liedern voller «…Melancholie und die Sehnsucht nach würdevollerem Weltenlauf, in dem die Menschheit nicht gegeneinander, sondern miteinander lebt». (Zitat: Der Schallplattenmann)
Das Mädchen mit den grünen Augen und schwarzen Zöpfen
Mayn Shvester Khaye (Meine Schwester Chaje) handelt von einem Mädchen, das – kaum zehn Jahre alt – fürsorglich auf ihre Geschwisterchen aufpasste, während ihre Mutter ausser Hauses Geld verdienen musste. Chaje ereilte später dasselbe Schicksal wie hunderttausenden anderer jüdischer Kinder während des Terrors des Nationalsozialismus: sie wurde nach Treblinka deportiert, vergast und verbrannt. Der Autor des Liedes beschreibt sich selbst als der letzte Lebende, der sie gekannt habe. Für sie schreibe er das Lied auf Jiddisch, «in teg di shreklekhe fun undzer tsayt» (in den schrecklichen Tagen unserer Zeit). Er vollendet die letzte Strophe mit den wundervollen Worten: ‚für G-tt selber ist Chaje wie seine einzige Tochter, die jetzt im Himmel zu seiner Rechten sitzt’.
Nachforschung
Wochen verbrachte ich damit, mich den unterschiedlichsten Zeugnissen und Dokumenten aus der Zeit Nazi-Deutschlands und der Folgezeit auszusetzen:
Ich sah mir Dok-Filme an, durchkämmte einen Stapel Bücher, besorgte mir eine Reihe von Spielfilmen und konsultierte zahlreiche Websites zum Thema.
Während des Prozesses, der bei weitem nicht abgeschlossen ist, reifte in mir das Verlangen, meine Empfindungen und Einsichten daraus in einer kommunizierbaren Form zu fassen. In der Folge entschloss ich mich zur Gestaltung der Website «achronon.ch».
Thomas Blaser-Böhlen
Oberdiessbach, BE Switzerland